Geschichte

Die frühesten schriftlichen Quellen für die Geschichte der Inka sind die spanischen Conquistadoren, die von ihren Beobachtungen bei der Ankunft in Peru berichten. Missionare und Chronisten zeichneten die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Besonders wichtig sind die umfangreichen Werke zweier peruanischer Chronisten, die wenige Jahrzehnte später schrieben: Inca Garcilaso de la Vega (1539–1616) und Waman Puma de Ayala (geboren um 1550). Diese Aufzeichnungen geben das Selbstbild der Inka wieder, nach dem sie durch Taktik und Eroberungen zum dominanten Stamm in den Anden aufgestiegen waren. Auch die bereits im Inkareich praktizierte Unterdrückung der Erinnerung an die andinen Vorgängerkulturen wird in diesen Chroniken nachvollzogen. Über die ersten acht Inka-Herrscher bis Huiracocha Inca gibt es nur ungenaue Angaben, wobei sich zudem Geschichtliches mit Mythologischem vermischt. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts mit der Regierungszeit des Inka Pachacútec Yupanqui, der als eigentlicher Architekt des Großreichs gilt, setzt eine verlässlichere Historiografie ein. Das daraus gewonnene Bild muss ergänzt und verglichen werden mit den Erkenntnissen der Archäologie, wobei es auch zu Spannungen kommt. Während die ältere Geschichtsschreibung den Angaben der Chronisten relativ eng folgte, besteht heute eher die Tendenz, die Erzählungen der Chronisten kritischer zu befragen und ihre subjektiv gefärbten Narrative stärker zu gewichten. Unter Heranziehung archäologischer Befunde kommt etwa der finnische Forscher Martti Pärssinen zu der Ansicht, die bisher angenommene Chronologie des Inkareiches müsse hinterfragt und wahrscheinlich zum Teil revidiert werden. Stets ist zu berücksichtigen, dass sämtliches überlieferte Wissen von den Inka aus dem Kontext der bereits von der spanischen Erobererung geprägten Welt stammt und keine schriftlichen Quellen existieren, die eine authentische Stimme aus der Inkakultur vor der Conquista repräsentieren.

  • Herkunft

Die Ausdehnung des Inkareiches und des Chimúreiches

 

In der Mythologie der Inka gibt es mehrere Legenden über die Entstehung der Inka. Die bekannteste wurde vom Inca Garcilaso de la Vega überliefert, ein nach Spanien übergesiedelter Mestize, dessen Mutter aus dem Inka-Herrscherhaus stammte und der Zugang zu vorhispanischen Überlieferungen der Inka besaß. Ihm zufolge sollen der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Mama Ocllo vom Sonnengott Inti gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee, nach anderen Mythen in der Höhle Paritambo, kamen sie auf die Welt. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit. Sie sollten ihren Wohnsitz dort gründen, wo es ihnen gelang, den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben. Nach einer langen Wanderung fanden sie eine Stelle und gründeten dort die Stadt Qusqu (Cusco), die nach dem Verständnis der Inka der „Nabel der Welt“ war.

 

Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 Quadratkilometer, in der mehrere Inseln liegen, die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titiqaqa liegt, betrachteten die Quechua sprechenden Inka und die Aymara sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig.

 

Entgegen ihrem Herkunftsmythos stammten die Inka möglicherweise eigentlich aus dem Amazonastiefland, was aus dem Anbau der ursprünglich in Waldgebieten kultivierten Kartoffel und Maniokpflanze und aus häufigen Darstellungen des nur in der tropischen Tiefebene vorkommenden Jaguars geschlossen werden kann. Zwar war der Kondor den Inka als Bote der Sonne ebenso heilig wie allen Vorgängerkulturen, aber im Gegensatz zu ihnen stellten sie ihn niemals bildlich dar. Auch die Tatsache, dass sie vor ihrer Ankunft im Cusco-Becken ein eigenes Idiom sprachen, das dem der Uru und Chipaya verwandt gewesen sein soll und dessen Merkmale einige Fachleute mit dem peruanischen Amazonasgebiet in Zusammenhang bringen, spricht für diese These.

 

  • Aufstieg und Expansion

Expansion des Inkareichs (1438–1527)

 

Die Inka gründeten um das Jahr 1200 die Stadt Cusco, die in zwei Stadthälften gegliedert war, Ober-Cusco (Hanan Qusqu oder Hunan Qusqu) und Unter-Cusco (Urin Qusqu oder Hurin Qusqu). Die ersten fünf Inka-Herrscher, die den Titel Sinchi (quechua, „Kriegsherr“, eigentlich „stark“) trugen, herrschten von Unter-Cusco aus, die nachfolgenden Herrscher mit dem Titel Sapa Inka residierten in Ober-Cusco

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Die Inka steigerten die Bedeutung ihrer eigenen Kultur durch die bewusste Zerstörung jedes Beweises der Leistungen ihrer Vorgängerkulturen und die Herabsetzung ihrer Feinde als kulturfeindliche Barbaren. Anfangs förderten sie das Aymará als Verkehrssprache, bis sie später das Quechua als allgemeine Sprache durchsetzten. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Inka die Erfahrungen früherer Kulturen nutzten, insbesondere der Huari-Kultur, die ihnen vielleicht deswegen als Modell diente, weil sie 700 Jahre zuvor ein ähnlich großes Territorium dominiert hatten.

 

Als die Inka im Gebiet von Cusco eintrafen, lebten hier noch verschiedene andere Stämme, darunter die Gualla und die Sauasera. Die Gualla wurden von dem relativ kleinen Volk der Inka angegriffen und allesamt getötet. Daraufhin schlossen sich die Sauasera mit einem anderen Stamm zusammen und versuchten sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Die Inka besiegten auch diesen Stammesverbund und machten sich daran, die übrigen Stämme zu unterwerfen. Durch die Besetzung der Bewässerungssysteme der Alcabiza und die Tributverpflichtung, die sie den Culunchima auferlegten, brachten sie das Gebiet zwischen den beiden Flüssen Watanay und Tullumayu unter ihre Kontrolle.

 

Bei den Eroberungen spielte Inti als Kultobjekt eine große Rolle. Es wurde in einem Kasten aus Stroh aufbewahrt und als Heiligtum verehrt. Die Nachfahren des ersten Inka Manco Cápac wagten nicht, den Kasten zu öffnen. Erst der vierte Inka Mayta Cápac brachte den Mut dazu auf. In der Legende heißt es, das heilige Objekt Inti habe sprechen können und Ratschläge für die Eroberungen gegeben.

 

Der zweite Inka Sinchi Roca, der als Späher bezeichnet wurde, begann eine friedliche Expansion in Richtung auf den Titicacasee durch die freiwillige Integration der Dörfer der Puchina und Canchi, denen sich andere anschlossen.

 

Sein Nachfolger Lloque Yupanqui als der dritte Inka brach bereits mit einem Heer von sechs- bis siebentausend Mann zu Eroberungen am Titicacasee auf. Die Ayahuiri setzten dieser Expansion entschlossenen militärischen Widerstand entgegen, den der Inka letztlich durch Verstärkungen brach. Um von dort gegen die Colla, einen Aymara sprechenden Bergstamm nahe dem Titicacasee, Krieg führen zu können, ließ er als Expeditionsbasis eine Festung (Pucará) errichten und eine Truppe von zehntausend Mann unter dem Kommando seines Bruders Manco Cápac aufstellen, bevor er nach Callao umsiedelte, dem heutigen Hafen Limas. An der Spitze eines Heeres eroberte er die Provinz Hurin Pacassa bis zu den Abhängen der Sierra Nevada in der Zentralkordillere.

 

Nach seiner Heirat mit Mama Caba zeugte er drei Söhne, dessen Ältester, Mayta Cápac, vierter Inka wurde. In einem langanhaltenden Krieg gegen die Alcabiza teilte er die Armee in vier Teile auf, die er vier Kommandeuren unterstellte, und zwang seine Feinde zum Rückzug auf eine Anhöhe. Dort belagerten die Inka ihre Gegner fünfzig Tage und sperrten ihre Bewässerungssysteme, bis sich diese ergaben und anschließend von den Siegern gut behandelt wurden. Mayta Cápac bestand weitere Schlachten und heiratete schließlich Mama Taoca Ray, mit der er die beiden Söhne Cápac Yupanqui und Apo Tarco Huaman (waman = „Falke“) zeugte.

 

Der fünfte Inka Cápac Yupanqui führte erstmals Feldzüge gegen weiter entfernte Völker: Um Unruhen im Land der Colla niederzuwerfen, brach er mit einem Heer auf. Die Häuptlinge der Cari und der Chipana, die durch eine Dauerfehde gegeneinander geschwächt waren und nichts mehr fürchteten, als dass sich ihr Gegner mit Cápac Yupanqui verbünden könnte, buhlten beide um ein Bündnis, was der Inka dazu nutzte, beide Stämme seinem Machtbereich einzugliedern. Seine Frau Mama Curihilpay (Qorihillpay oder Chuqui Yllpay) war eine Tochter des Häuptlings der zuvor mit den Inka verfeindeten Anta. Nach dem Chronisten Vaca de Castro war sie Tochter des Curaca der mächtigen Ayarmaca. Ab diesem Zeitpunkt gewannen die Inka regionale Bedeutung.

 

Der sechste Inka Inca Roca heiratete die Tochter des Herrschers der Wallakan (Guayllacan bzw. Huallacan). Aus dieser Verbindung ging der siebte Inka Yáhuar Huácac hervor. Die Tatsache, dass einer seiner Söhne während seiner Jugend von einem benachbarten Stamm über Jahre als Geisel genommen wurde, relativiert die Macht der Inka zu diesem Zeitpunkt. Das Verhältnis zu den benachbarten Ayarmaca, die bis dahin mit den Inka gleichberechtigt gewesen waren, wandelte sich zu dieser Zeit. Durch die zunehmende Dominanz der Inka kam es zu Konflikten. Schließlich wurden die Ayarmaca durch die Heirat der Tochter des Herrschers Tocay Cápac (Tuqay Qhapaq) mit Yahuar Huacac gewonnen. Mit dieser Verbindung erfolgte auch ein militärischer Zusammenschluss.

 

Unter dem achten Inka Huiracocha Inca, der seinen Machtbereich bis nach Pisac (von P'isaq = „Tinamu“) im Urubamba-Tal („Ebene der Spinnen“) ausdehnte, begann die eigentliche Expansion des Inkareiches. Mit dem Volk der Quechua hatten die Inka gute wirtschaftliche Beziehungen, die durch Heirat zwischen Huiracocha Inca und der Tochter des Häuptlings noch gestärkt wurden. Deren Feinde, die Chanca, stellten auch für die Inka und Cuzco eine Bedrohung dar. Die Anstrengungen Huiracochas zur Unterwerfung dieses Feindes blieben zunächst erfolglos; erst seinem Sohn Cusi Yupanqui gelang es, die beiden Stämme Cana und Canchi als Verbündete gegen die Chanca zu mobilisieren. Schließlich wurde Cuzco von den Chanca belagert (traditionell wird dieses Ereignis auf 1438 datiert), doch gelang es ihnen trotz zahlenmäßiger Überlegenheit nicht, die Stadt einzunehmen. Schließlich wurden sie von Cusi Yupanqui mithilfe der von ihm gewonnenen Verbündeten spektakulär besiegt. Das Schlachtfeld wurde seitdem Yawarpampa (Quechua: „Blutebene“) genannt und diente dem in der folgenden Epoche stark gepflegten Erinnerungskult an diesen Sieg, den Cusi Yupanqui als ein vom Sonnengott geleiteter Retter errungen haben wollte.

 

Noch im selben Jahr wurde aus Cusi Yupanqui der neunte Sapa Inka, der den Namen Pachacútec (Quechua: „Reformator der Welt“, „Veränderer der Welt“, „Retter der Erde“) annahm. Der militärische Erfolg gegen die Chanca hatte es ihm offenbar ermöglicht, sich gegen seinen von Huiracocha Inca eigentlich als Thronfolger vorgesehenen Halbbruder Urqu durchzusetzen, der dem Vater auf dessen Alterssitz folgte. Seit diesem Machtwechsel, der mit einem politischen, kulturellen und religiösen Umschwung einherging, gibt es genauere geschichtliche Aufzeichnungen.

 

  • Blütezeit des Inkareiches

 

Pachacútec, der die Regierung noch zu Lebzeiten seines Vaters vermutlich im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts übernahm, wird als eigentlicher Schöpfer des Inka-Imperiums der expansiven Hochphase betrachtet. Nach der Niederwerfung von Aufständen zu Beginn seiner Regierungszeit erweiterte er die Herrschaft in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín, Arequipa und zur Küste. Als gleichrangig mit seinen militärischen Erfolgen werden seine organisatorischen Leistungen und Reformen bewertet, die die effektive Verwaltung des immer größeren Herrschaftsgebiets erst möglich machten. Indem er den vier Himmelsrichtungen jeweils einen Reichsteil zuordnete, schuf er den geviertelten Tawantinsuyu, das Reich aus „vier zusammengehörigen Gebieten“ (Quechua: tawa „vier“, tawantin „Vierheit“, suyu „Land“; hispanisiert: Tahuantinsuyo), dessen Achsen sich in Cusco als Schnittpunkt trafen; als Symbol dafür entstand die Regenbogenfahne. Innerhalb der suyu genannten Viertel existierten kleinere regionale Einheiten („Provinzen“), deren Grenzen sich an topografischen Merkmalen orientierten und die meist über ein städtisches Zentrum verfügten.

 

Cusco entwickelte sich unter Pachacútec zum rituellen, politischen und kulturellen Mittelpunkt des Reiches. Gegenüber der älteren Viracocha-Verehrung, die sein Vater repräsentierte, machte Pachacútec den von ihm bevorzugten Sonnengott zur höchsten Instanz in der Götterwelt des Inkastaates; als nationales Identifikationszentrum wurde der Sonnentempel Inticancha glanzvoll ausgestaltet. In der Umgebung der Hauptstadt ließ Pachacútec landwirtschaftliche Terrassen zum Anbau von Mais anlegen, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Saphi und Tullumayu, die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten sie sauber. Durch den Aus- und Neubau von Straßenverbindungen schuf Pachacútec eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Ausdehnung und verstand es, den inneren Zusammenhalt durch eine einheitlich organisierte Verwaltung unter Einbeziehung der bisherigen, auf lokale Einheiten ausgerichteten Herrschaftsstrukturen zu sichern. Zu den Maßnahmen der Vereinheitlichung gehörte die Durchsetzung des Quechua als der allgemeinen Verkehrs- und Handelssprache auch in anderssprachigen Gebieten.

 

Während seiner Regierungszeit kam es wiederholt auch zu Aufständen und Rückschlägen. Seinen Bruder Cápac Yupanqui, der als Heerführer bei der Verfolgung rebellierender Chanca-Soldaten befehlswidrig weiter als vorgesehen nach Norden vorgedrungen war, ließ Pachacútec trotz des militärischen Erfolgs hinrichten, vielleicht auch, um ihn als Konkurrenten auszuschalten. Einer seiner Generäle, ein anderer Bruder des Herrschers, unternahm einen Feldzug gegen feindliche Tieflandvölker östlich der Anden im Montaña-Dschungel mit der Absicht, Amazonien zu unterwerfen, kam aber in dem undurchdringlichen Urwaldgelände umgeben von feindlichen Völkern nicht weiter. Auch der zweite Eroberungsfeldzug unter Pachacútecs persönlicher Leitung scheiterte, da er in großer Eile nach Cuzco zurückkehren musste, um eine Rebellion niederzuschlagen. Wie neuere Funde zeigen, erstreckte sich das Inkareich allerdings deutlich weiter in das amazonische Tiefland hinein und diese Teile Amazoniens gerieten wahrscheinlich auch schon früher unter Inkakontrolle, als bisher aufgrund der historiographischen Aufzeichnungen angenommen wurde.

 

Túpac Yupanqui übernahm 1471 als zehnter Sapa Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater, mit dem er eine Zeitlang gemeinsam geherrscht hatte. Unter seiner Führung errang das Inkareich die größte Ausdehnung. Wichtigster Schritt war zunächst die Unterwerfung des Reichs der Chimú an der Pazifikküste, der einzigen mit dem Inkareich um die Ausdehnung rivalisierenden Großmacht. Vermutlich übernahmen die Inka manche organisatorischen Elemente, z. B. die rechtwinklige Stadtplanung, und verschiedene Handwerkstechniken von den Chimú. Weitere Eroberungszüge dienten der Einverleibung der Gebiete des heutigen Ecuadors bis nach Quito in den Inkastaat sowie der Erweiterung oder Festigung des von den Inka kontrollierten Raums im Tiefland Amazoniens und im heutigen Nord- und Zentralchile bis in die Gegend des heutigen Santiago de Chile. Nach der Eroberung von Quito soll der Inka mehr als ein Jahr lang Floßfahrten von Ecuador aus zur Erkundung weiter nördlich vermuteter Inselwelten unternommen haben. Die äußerste Südgrenze der Inkaherrschaft wurde bisher entweder am Río Maipo (bei Santiago de Chile) oder am Río Maule etwa 300 km weiter südlich vermutet.

 

Der Vormarsch der Inka nach Süden kam offenbar bereits unter Yupanquis Vater am Fluss Maule im heutigen Zentralchile zum Stehen, wo eine vom Inca Garcilaso überlieferte, für die Inka unvorteilhaft ausgegangene Entscheidungsschlacht stattgefunden haben soll, die üblicherweise auf etwa 1485 datiert wird. Allerdings gab es nachweisbare Handels- und Sozialkontakte zwischen Inka und Mapuche-Indianern noch weit südlich der Maule mindestens bis zum Río Bío Bío. Auch hier könnte es nach Vermutungen von Archäologen bereits bis zu einhundert Jahre vor dieser Zeit Einflussnahmen gegeben haben. Chronisten zufolge zogen sich die Inka erst in den Jahrzehnten kurz vor Ankunft der Spanier auf das Gebiet nördlich der Atacamawüste zurück und gaben die Kontrolle der südlich gelegenen Täler auf. Insgesamt verdoppelte der Inkastaat während der Regierungszeit Túpac Yupanquis auch infolge der Kriege, die in der Breite zwischen Santiago del Estero im heutigen Nordwesten Argentiniens und dem Río Maule geführt wurden, nahezu seine Größe.

 

Unter Túpac Yupanquis Herrschaft wurden die Osthänge der Anden befestigt. Der Inkaherzog Guacane, ein Nachkomme des Inka Huayna Cápac, errichtete auf dessen Befehl am Osthang der Anden die Festung Fuerte de Samaipata, in der er einige seiner Frauen unterbrachte, die er von Eunuchen und Soldaten schützen ließ. Dennoch gelang es den Chiriguano unter der Führung ihres Häuptlings Grigotá, die Inka in die Flucht zu schlagen, die Eunuchen zu töten, die Festung niederzubrennen und die Konkubinen und Sonnenjungfrauen zu verschleppen. Die Inka rächten sich durch die Entsendung einer Armee, die Samaipata zurückeroberte, die Festung wiederaufbaute und zum Bestandteil ihrer Verteidigungslinie an den Ostabhängen der Anden machte, um sich gegen Einfälle der Tieflandstämme zu schützen.

 

Hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme behielten anfangs wichtige Verwaltungsfunktionen. Ihre Söhne mussten sie allerdings nach Cuzco schicken, wo sie eine Ausbildung und Indoktrination im Sinne der Inka erhielten und ihnen auch als Geisel dienten. So sorgten die Inka für innere Ruhe, und durch eine wiederholte Propaganda wurden alle den Unterlegenen erbrachten Vorteile nachdrücklich vor Augen geführt. Túpac Yupanqui ließ die vier Reichsprovinzen in Unterprovinzen von je 10.000 Haushalten (Hunu) gliedern, die in Gruppen zu je 5000, 1000, 500, 100 und 50 tributpflichtigen Haushalten aufgeteilt waren, die ihrerseits wieder in Zehnereinheiten (Chunka) unterteilt waren. Die größeren Einheiten wurden von Beamten der Inka-Bürokratie geleitet, während den kleineren der einheimische Adel vorstand. Diese Perfektion des Dezimalsystems straffte in einer durch extreme ethnische, linguistische und kulturelle Differenzierung gekennzeichneten Bevölkerung mit einem komplizierten Mosaik politischer Ansprüche den zentralen Durchgriff, reduzierte andererseits auch die Privilegien des alteingesessenen Adels, was allmählich ein System von Beamten etablierte und gelegentlich zu massivem Widerstand verärgerter „natürlicher Provinzherren“ führte.

 

Als erster Herrscher nach dem mythischen Reichsgründer Manco Cápac heiratete Túpac Yupanqui seine Schwester und zeugte Kinder mit ihr. Nach seinem Tod (möglicherweise wurde er ermordet) entbrannte zwischen den beiden engsten Witwen eine erbitterte Rivalität um die Erbfolge ihrer Söhne, die mit allen Mitteln der Hofintrige bis hin zum Bürgerkrieg ausgetragen wurde. Schließlich übernahm Huayna Cápac nach Ausschaltung seines Rivalen unangefochten als elfter Sapa Inka 1493 die Nachfolge. In den ersten Jahren seiner Herrschaft wurde er von einem Onkel bei den Regierungsgeschäften unterstützt. Er verlegte seinen Hauptsitz nach Tomibamba (an dessen Stelle das heutige Cuenca liegt), wo er insgesamt über 200 Söhne und Töchter zeugte. Huayna Cápac führte wenig erfolgreiche Kriegszüge gegen Urwaldindianer östlich der Anden und verschob die Grenze im Norden in schwierigen Kämpfen gegen die kriegerischen Cara- bzw. Caragui-Stämme, die zähen und hinhaltenden Widerstand leisteten, bis an den Fluss Ancasmayo (dessen genaue Lage im heutigen ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet nicht feststeht). Dazu wurden gewaltige Höhenfestungen mit steinernen Schutzwällen als Operationsbasis errichtet. Damit hatte der Tawantinsuyu seine maximale Ausdehnung erreicht und das Reich stieß an seine administrativen Grenzen.

 

  • Vorzeichen des Niedergangs und Bürgerkrieg
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In seinen letzten Jahren sollen den Herrscher erste Meldungen von bärtigen, weißen Männern erreicht haben, die sich an Bord von Schiffen der Küste näherten. Huayna Cápacs Wunschnachfolger war sein Sohn Ninan Cuyochi, der stets an der Seite seines Vaters gelebt und ihn auf seinen Kriegszügen begleitet hatte. Doch dieser erlag zusammen mit einer Viertelmillion Menschen kurz vor dem Tod seines Vaters einer fremdartigen Seuche, die vermutlich bereits indirekt von Europäern eingeschleppt worden war. Daraufhin soll Huayna Cápac beschlossen haben, das Reich zwischen seinen beiden verbliebenen Söhnen aufzuteilen und Atahualpa die von Cajamarca aus verwaltete nördliche Region zu geben, während Huáscar den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz erhalten sollte. Der Thronfolger und sein Vater starben beide um das Jahr 1525 in kurzem Zeitabstand (wahrscheinlich an derselben Epidemie), sodass sich die Einzelheiten der getroffenen Thronfolgeregelungen, die später zwischen den Anhängern der beiden Konkurrenten umstritten waren, nicht ganz verlässlich rekonstruieren lassen. Jedenfalls kam es bald zu einem Bürgerkrieg, obwohl beide Brüder ihrem Vater am Totenbett versprochen haben sollen, die Reichsteilung zu akzeptieren. Der durch den unerwarteten Tod des Herrschers und seines vorgesehenen Erben hervorgerufene Zwist und die damit verbundene Unsicherheit waren ein Faktor, der den Spaniern die Eroberung des Reiches wesentlich vereinfachte.

 

Atahualpa, der bereits in Tomibamba zur Welt gekommen war, entstammte der Ehe seines Vaters mit Tocto Koka, der letzten lebenden Prinzessin aus der Dynastie der Scyrs aus dem ecuadorianischen Quito. Bis dahin hatte er mit seinem Vater immer im Norden gelebt. Huáscar, der sein Leben in Cuzco verbracht hatte und dessen Mutter Ruahua Occlo eine Schwester Huayna Cápacs und Tochter Túpac Yupanquis war, sah sich nach dem Tode Ninan Cuyochis als einzigen legitimen Sohn der Inka an. Huáscar wollte die Gunst der Stunde nutzen, verteilte reichlich kostbare Geschenke an den Adel, verschenkte schöne Acllas, ließ seine potentiellen politischen Gegner töten, foltern oder in Kerker werfen, setzte einen neuen Hohepriester ein (der amtierende Villac Umu kannte ja die Verfügungen Huayna Cápacs, in dessen Nähe er sich immer befand) und bat, der Tradition folgend, seine Mutter um die Hand seiner Schwester Chuqui Huipa, da nach Sitte der Inka die Inthronisation auch immer mit der Vermählung der Herrschers mit seiner Schwester verbunden war. Doch seiner Mutter missfielen seine Methoden, weshalb sie Huáscars Werbung abwies. Mit Unterstützung der Priesterschaft gelang es Huáscar jedoch, die Brautwerbung als Befehl der Götter darzustellen, so dass sich seine Mutter nicht mehr verweigern konnte. Atahualpa sonnte sich derweil in der mehrheitlichen Unterstützung der Generäle. Anders als Huáscar hatte er nicht einen vornehmen Inka-Adeligen zum General ernannt, sondern mit Chalcuchímac und Quisquis sowie ihren Feldkommandeuren Rumiñawi und Ukumari fanatische Krieger aus dem Norden, die mit ihm gemeinsam die Herrschaft über das ganze Tahuantinsuyu anstrebten.

 

Nach heftigem Kampf unterlag Huáscars Armee den kampferprobten Truppen aus dem nördlichen Territorium im Jahr 1532. Er wurde dabei gefangen genommen, viele seiner engsten Verwandten bestialisch ermordet und ihre Leichen an Pfählen auf den Straßen zur Schau gestellt. Atahualpas Generalität verfolgte die gesamte Aristokratie der Inka. Ergebnis war nicht nur die fast vollständige Auslöschung des königlichen Ayllu samt Ehefrauen und Säuglingen, sondern auch der Priesterschaft, der höchsten Beamten, der Amautu (inkaische Gelehrte), ja selbst der Quipucamayoc (Knotenschriftkundige). Nachdem Atahualpa bereits in Pizarros Gefangenschaft geraten war, ließ er seinen Bruder Huáscar hinrichten. Als Demonstration seiner Macht benutzte Atahualpa die Hirnschale seines Bruders als Trinkgefäß. Dadurch war er zwar unumschränkter Herrscher über das gesamte Inkareich, hatte aber der absoluten Autorität der Inka einen irreparablen Schaden zugefügt.

 

Im April 1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste und marschierte unter Beobachtung durch Inka-Kundschafter tief ins Innere des Inkareiches ein. Bereits einige Jahre zuvor wurden die Inka von, für sie neuartigen Krankheiten (Pocken und Masern) heimgesucht, die sich über Mittelamerika nach Süden ausgebreitet hatten und tödlich verliefen. Pizarro fand ein Reich vor, das in einen Bruderkrieg zwischen den Brüdern Atahualpa und Huáscar verstrickt war. Die schnelle Expansion der Inka und deren Zwangsregime mit Deportationen hatten eine enorme Unzufriedenheit unter den unterworfenen Völkern hervorgerufen, die zur Instabilität des Reiches beitrug, und zu Aufständen der Völker, die nun eine Chance zur Befreiung erkannten, was Pizarro systematisch nutzte.

 

Atahualpa unterschätzte bei der Ankunft der Spanier die von ihnen ausgehende Gefahr. Am 14. November 1532 wurden sie von Atahualpa in Cajamarca, das weiträumig von ca. 40.000 Inkasoldaten gesichert war, freundlich zu Verhandlungen empfangen. Der Inka erschien mit etwa 8000 Bewaffneten zur Verhandlung und ließ, im Bewusstsein seiner riesigen Übermacht am Platz und ringsum, auf Wunsch von Pizarro die Waffen ablegen. Dies nutzten Pizarro sowie seine 159 Gefährten für einen Hinterhalt und nahmen Atahualpa gefangen, schlugen die unbewaffnete Armee der Inka vernichtend (Schlacht von Cajamarca) und metzelten neben dem indigenen Adel auch viele Generäle der Inka nieder. Die Inka waren mit europäischer Waffentechnik und Taktik nicht vertraut, was den spanischen Eroberern einen doppelten Vorteil bot. Den Feuerwaffen, Rüstungen und Blankwaffen aus Stahl sowie den laut Berichten drei Kanonen hatten sie mit ihrer früh-bronzezeitlichen Bewaffnung, Rüstungen aus Leder und Baumwolle, Bögen, Wurfspeeren, Lanzen, hölzernen maqana (beidseitig geschärften Schwertern aus Palmholz), sternbesetzten Streitkeulen, Äxten aus Kupfer und warak'a (Stein- und Pfeilschleudern an drei Schnüren) nichts Adäquates entgegenzusetzen. Zwar verfügten sie über das Lasso und die liwi (boleadora) – Riemen mit eingeknoteten Steinen, die geworfen werden und sich um die Beine von Mensch und Tier schlingen, so dass sie stürzen – aber sie kannten weder Pferde, auf denen die Angreifer ritten und die ihnen Angst einflößten, noch Kampfhunde, von denen die Spanier zahlreiche mitgeführt haben sollen.

 

Atahualpa wollte sich gegen einen 50 Quadratmeter großen Raum voller Gold und Silber freikaufen. Dazu wurden alle Tempel und Schatzkammern des Reiches geplündert. Lamakarawanen trafen aus allen Reichsteilen ein und lieferten vielfach die Kultgegenstände ganzer Stämme und Orte ab, die heute auf einen Wert zwischen 25 und 45 Millionen Euro geschätzt werden. Um den Gold- und Silberschmuck der Inka einzuschmelzen, brannten die Schmelzöfen 34 Tage lang. Die Spanier raubten von den Inka ca. 180.000 Kilogramm Gold sowie ca. 16 Millionen Kilogramm Silber. Obwohl Atahualpa in der Hand der Spanier war, hatte er noch immer Befehlsgewalt und gab den Befehl, seinen Bruder zu töten, der in Cuzco gefangen war, aus Sorge, er könne gegen ihn mit den Spaniern konspirieren. Atahualpa wurde anschließend in einem Schauprozess aufgrund einer fingierten Anklage auf Vielweiberei, Brudermord und Götzenanbetung von Diego de Almagro, der sich und seinen 150 Kumpanen so einen Anteil an der Beute sicherte, zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Pizarro unterzeichnete das von vornherein feststehende Urteil. Weil Atahualpa seine eigene „Unsterblichkeit“ als Mumie sichern wollte, ließ er eine Taufe über sich ergehen und wurde statt durch Verbrennen am 26. Juli 1533 durch Erdrosselung mit der Garrotte, der spanischen Würgeschlinge, hingerichtet. Der Widerstand der Inka nahm daraufhin stetig ab. Die früher von den Inka unterworfenen Stämme schlugen sich auf die Seite der Eroberer, in der Hoffnung, dadurch ihre Unabhängigkeit zu erreichen. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die er ohne nennenswerten Widerstand einnehmen konnte.

 

Pizarro setzte 1533 einen Halbbruder Atahualpas und Huáscars, Manco Cápac II., als Marionette der Spanier zum Sapa Inka ein. Aus Furcht vor den Truppen Atahualpas, insbesondere seines Generals Quisquis, verbündete sich Manco Cápac II. anfangs mit Pizarro. Doch bereits 1536 nutzte er die Abwesenheit Almagros und Pizarros für einen insgeheim vorbereiteten, allgemeinen Aufstand und belagerte Cuzco mit einer Armee von 200.000 Mann, was die unter Nachschubmangel leidenden Spanier in ärgste Bedrängnis brachte. Da seine Armee jedoch vom Proviant in den Lebensmitteldepots abgeschnitten blieb, gab er die Belagerung letztlich auf. Bei den anschließenden Zwistigkeiten zwischen den Pizarro-Brüdern und Diego de Almagro schlug sich Manco Cápac II. auf die Seite Almagros. Nachdem dieser in der Schlacht von Las Salinas am 26. April 1538 von Hernando Pizarro geschlagen und im Juli des gleichen Jahres hingerichtet worden war, zog sich Manco Cápac II. mit seinen Anhängern an den Osthang der Anden zurück, ließ alle Brücken hinter sich zerstören und versuchte, den spanischen Eindringlingen durch eine Art Guerillakrieg vom sagenumwobenen Vilcabamba aus Widerstand zu leisten. Währenddessen ging der Bürgerkrieg der Konquistadoren weiter und Francisco Pizarro wurde am 26. Juni 1541 von Anhängern Almagros ermordet. Eine Gruppe von Anhängern Almagros hatte sich auf der Flucht vor Pizarro zu Manco Cápac II. durchgeschlagen und wurde von diesem freundlich aufgenommen. 1544 ermordeten diese Flüchtlinge den Inka-Herrscher bei einem Streit und wurden anschließend selbst getötet. Die Söhne Manco Cápacs II., Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui, führten den Kampf gegen die Spanier mit unterschiedlicher Intensität noch bis in die 1570er Jahre fort.

 

Als letzter Erbe gelangte Túpac Amaru zur Herrschaft. Bei einer Expedition besetzten die Spanier am 24. Juli 1572 das erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckte Vilcabamba. Túpac Amaru war zwar bereits geflüchtet, aber sein Aufenthaltsort wurde verraten und der letzte Inka wurde gefangen genommen und am 24. September 1572 in Cuzco durch Enthauptung hingerichtet. Der Legende nach sollen Mitglieder des hohen Inka-Adels entkommen sein und sich in die verlorene Stadt Paititi zurückgezogen haben.

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Peru

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